Oktober Favorit

Eigentlich wollten wir den Oktoberurlaub in der Normandie ja zum Lesen und Aufarbeiten einiger liegengebliebener Dinge nutzen, aber das Wetter hat uns diesen Monat einen Strich durch die Rechnung gemacht – von wegen herbstlich und regnerisch… Es war bis vorgestern traumhaft schön, sonnig und somit kaum vertretbar dies nicht auszunutzen. Wir haben jede mögliche Minute draußen oder unterwegs verbracht und ich habe es somit im Oktober „nur“ geschafft, ein einziges Buch zu lesen…

Bereits Anfang September hatte ich ein Exemplar des Buches „Bonfire – Sie gehörte nie dazu“ von Krysten Ritter im Briefkasten (Danke an den Verlag), mit der Bitte es zu rezensieren.

Auf dem Balkon mit Hafenblick und Cidre Rosé lässt sich auch mal ein Lese-Nachmittag genießen…

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, schreckte der Untertitel mich direkt ab… Aus diesem Grund lag es wochenlang herum, wurde mal hierhin, mal dorthin verlegt…

Dieses „Sie gehörte nie dazu“ machte (für mich) aus einem möglicherweise interessanten Buch augenblicklich eines, das ich eigentlich gar nicht lesen möchte… Worum wird es sich da schon handeln? High School-Gedöns / Ich durfte nie mitspielen, also zahle ich es allen heim / Alle waren so fies zu mir…?

Falsch gedacht…

 

„Bonfire“ ist unfassbar deprimierend und so gut geschrieben, dass selbst ein „gutbehütetes Stadtgör‘“ wie ich, das stets von liebender Familie umgeben und von den wirklich schlimmen Dingen des Lebens verschont geblieben ist, sich in die absolute Tristesse und Hoffnungslosigkeit einer amerikanischen Kleinstadt mit all den furchtbaren Schattenseiten, die dieses Buch so von sich gibt, hineinversetzen kann.

Zwischendurch habe ich mich kurz gefragt: Warum lese ich das? Warum tue ich mir das an? Dieses Buch ist düster, teils verstörend, manchmal grausam, handelt von Rücksichtslosigkeit und Korruption.
Dann wiederum: Weshalb hört man traurige, deprimierende Musik? Weil sie eben auf gewisse Art und Weise doch so schön und eben einfach menschlich ist.

Wieso sieht man sich einen furchtbaren Film an? Weil das Dramatische und Entsetzliche anzieht, weil man einfach hinsehen muss, genau wie bei einem Unfall – fast jeder behauptet von sich selbst nicht schaulustig zu sein, weshalb entstehen aber dann all die Staus, wenn doch manchmal nur der Standstreifen betroffen ist? Man muss eben hinsehen…

So ähnlich ging es mir mit diesem Buch.

Immer wieder: Warum lese ich weiter, wenn es mich so runterzieht? Doch ich konnte nicht aufhören es zu lesen. Auf perfide Weise vielleicht auch eine Erleichterung, dass ich nicht in der Haut der Protagonistin stecke…: Abby Williams, mittlerweile Anwältin, die auf Umweltskandale und -verbrechen spezialisiert ist, und nun für einen Fall in ihre Heimatstadt Barrens zurückkehrt. Hin und wieder bekommt man das Gefühl, dass sie durch diesen Fall – ein Hirngespinst? – mit ihren ehemaligen Kontrahenten abrechnen will und ganz bestimmt ist es der Grund, weshalb sie sich so in diesen Fall hineinsteigert, das wird einem schnell bewusst…

…oder alternativ mit Cappuccino und Mousse au chocolat 😉

Gegen Ende dann – gerade als sich der Gedanke formt, dass es nun doch ein wenig zu abgefahren wird – folgt auch dafür die logische Erklärung und schon finde ich diesen Thriller, welchen ich soeben eigentlich mit 6 von 10 Punkten bewerten wollte, wieder besser.

7 von 10 Punkten ist mein endgültiges Fazit.

Die amerikanische Autorin kann nichts dafür, dass hier der ein oder andere Schreibfehler begangen wurde (ganze 4 habe ich so nebenher gezählt) und sie kann auch nichts für den (bereits erwähnten) furchtbar kitschigen Untertitel „Sie gehörte nie dazu“ – bitte davon nicht abschrecken lassen!

Gut geschrieben – einfühlsam, verletzlich, gut recherchiert und wie gesagt: Man lässt sich auf die Reise mitnehmen und kann sich sogar in diese typisch amerikanische „Von den tollen Kids gemobbt werden“ – Situation hineinversetzen, auch wenn man das in der Schule nie erlebt hat.

Und wo wir gerade auf die Autorin zu sprechen kommen: Sie mag dem ein oder anderen „Breaking Bad“-Fan direkt bekannt vorkommen – eigentlich ist Krysten Ritter nämlich Schauspielerin.

 

 

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